Vorwort Herbst 2016

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennen Sie das Märchen: „Das kalte Herz“ verfasst von Wilhelm Hauff? 

Peter Munk, ein Köhler im Schwarzwald, will Karriere machen. Geld und Reichtum möchte er. Darum macht er mit einem Waldgeist, dem Holländermichel, ein Geschäft: Michel soll ihm helfen, reich zu werden. Dafür muss Peter ihm sein Herz geben. Damit der Köhler an dem Tausch nicht stirbt, pflanzt der Waldgeist ihm ein steinernes Herz ein. Fortan kann Peter nichts mehr spüren. Weder Freude noch Trauer, weder Wut noch Mitleid fühlt er. Schnell wird er zum Wucherer und Geizkragen. Sogar seine Mutter verstößt er, die nun einsam und krank in einer armen Hütte lebt. Seiner Frau verbietet er, Almosen an Bedürftige zu geben. Als sie es doch tut, und sie von Peter dabei erwischt wird, prügelt er sie so sehr, dass sie stirbt.  

In jener Nacht schläft der Kaltherzige schlecht. Ständig hört er Stimmen, die sagen: „Verschaff dir ein wärmeres Herz!“ 

Schließlich geht er zum Holländermichel und fordert von ihm sein altes Herz wieder. Doch der will es ihm nicht geben. Der Handel sei gemacht: Geld gegen Herz. Erst durch einen Trick gelingt es Peter, sein altes Herz zurück zu gewinnen. Nun bereut er sein Leben und fühlt, was er sich und seinen Mitmenschen angetan hat. 

Das Glasmännlein, ein guter Geist, hilft dabei, dass Peters verstorbene Ehefrau wieder zum Leben erweckt wird, dass Mutter und Ehefrau dem Reumütigen vergeben, und dass sie alle wieder beisammen sind. Peter kehrt zurück zum einfachen Leben als Köhler, der es aufgrund seines Fleißes – auch ohne viel Geld – zu Ansehen bringt. 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

ein warmes Herz, das mitfühlt mit anderen, das die Not der Menschen ernst nimmt, das sich nicht abschottet und abgrenzt, sondern auftut und hilft – ein solches Herz braucht die Welt, das hat das Zusammensein der Menschen bitter nötig. Ein warmes und mitfühlendes Herz wünsche ich uns allen, damit das Zusammensein in dieser Welt barmherziger und friedlicher wird. Manchmal können Menschen sich ein solches Herz nicht selbst geben. Da braucht es einen guten Geist, Gott selber, der die Menschen zum Guten hinführt. An Pfingsten – so erzählt die Bibel – hat Gott seinen guten Geist gegeben. Da brennt er wie Feuer über den Köpfen der Jünger, entflammt ihre Herzen. Sie gehen hinaus auf die Straßen, erzählen von Jesus, Gottes Mensch gewordener Liebe, der uns mit seinem ganzen Leben zeigt, dass Gott liebt und dass wir einander in Liebe begegnen können.  

Wie immer diese Liebe in unserem Leben aussieht, ob wir dem Obdachlosen auf der Straße Geld spenden oder mit ihm reden, ob wir Flüchtlingen Deutschkurse geben oder Kleider für Behindertenheime sammeln – alle Voraussetzungen für Liebe und Barmherzigkeit, für Anteilnahme und Mitgefühl sind uns ins Herz gelegt. Jetzt ist es an uns, Gott wirken zu lassen in unserem Leben. Ein neues Herz ist uns geschenkt. Ein neuer Geist ist uns gegeben. Ein neues Leben – dazu sind wir bestimmt, geschickt zum Reich Gottes, der uns sagt: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ So lautet die Losung für das Jahr 2017. Mit diesen Worten sendet Gott uns auf den Weg, als Christinnen und Christen in dieser Welt zu leben.

 

Es grüßt Sie herzlich Ihre Gemeindepfarrerin