Vorwort Herbst 2013

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

„Wir möchten, dass Menschen gerne in den Gottesdienst kommen“, so sagen Kirchengemeinden, die einladend und offen sein wollen. Dieses Ziel haben sich auch die Kirchenvorstehenden im  Kettenheimer Grund gesteckt, als sie vor eineinhalb Jahren zu einer Tagung im Religionspädagogischen Institut in Schönberg im Taunus waren. Damals hatten sie sich mit dem Thema „Gottesdienst“ befasst und sich Gedanken zu folgenden Fragen gemacht: Was ist mir (als Besucher/Besucherin, Kirchenvorsteher/Kirchenvorsteherin) am Gottesdienst wichtig? Was spricht mich an? Was kann der- oder diejenige, der oder die den Gottesdienst hält, tun, damit ich etwas von dieser Feier mitnehme?

Die Kirchenvorstehenden, die zur Tagung waren, meinten: Um einen Gottesdienst gerne zu besuchen, braucht es jemanden, der am Eingang steht und die Menschen begrüßt, die in die Kirche kommen. Gesagt, getan – in allen Vorständen fanden sich ein oder zwei Freiwillige, die bereit waren, der Aufgabe nachzukommen. Von da an gab es in allen vier Gemeinden einen Begrüßungsdienst. 

Eineinhalb Jahre nach dessen Start hat die Kirchenvorsteherin Caroline Prisot-Nuß aus Wahlheim an der Kirchentür Besucherinnen und Besucher verschiedenen Alters gefragt, wie sie die Begrüßung am Eingang finden. Das Ergebnis der Umfrage war durchweg positiv. Die Befragten fühlten sich persönlich angesprochen und willkommen geheißen. Sie schilderten, wie froh sie darüber sind, dass jemand schon an der Tür für Gespräche und Fragen zur Verfügung steht. Dass sie das Gesangbuch in die Hand bekommen, fanden sie hilfreich. Es lade dazu ein, mehr mit zu singen. Ansonsten hätten sie das Buch vielleicht nicht aufgeschlagen. So aber hatten sie es in der Hand. 

Kirchengemeinden können offen sein. Das hat die Umfrage gezeigt. Ein herzliches Dankeschön gilt an dieser Stelle Caroline Prisot Nuß für die Umfrage und dafür, dass sie sich mit anderen Kirchenvorsteherinnen zusammen bereit zeigt, beinahe jeden Gottesdienstsonntag am Eingang ihrer Kirche zu stehen, um Menschen dort willkommen zu heißen.

Damit auch die Jüngeren sich im Gottesdienst wohl fühlen, gibt es in allen vier Kirchen Bilderbücher mit biblischen Geschichten. „Jesus und der Sturm“, „Mose wird gerettet“, „Jona und der Fisch“ und viele andere Titel laden zum Anschauen und Vorlesen ein. Wer die Bücher in der Kirche nicht findet, spricht die Küster oder Kirchenvorstehenden an. Die wissen oft ganz genau, wo die Bücher liegen.

Um das Hörerlebnis Gottesdienst zu steigern, haben drei von vier Kirchengemeinden in den letzten Jahren Beschallungsanlagen angeschafft. Das kommt vor allem bei Tauf- und Familiengottesdiensten, Krippenspiel, Vorstellungsgottesdienst der Konfirmanden und Weltgebetstag gut an. Mit Hilfe von Mikrophon und Lautstärkern dringt – auch bei unruhigen Feiern – das gesprochene Wort zu den Menschen, und auch die, die es nicht gewohnt sind, im Gottesdienst eine Lesung zu halten, werden besser verstanden.

Um die Schwelle beim Reinkommen in die Kirche noch zu verringern, hat die Esselborner Kirche seit 2010 einen barrierefreien Zugang. Die Rampe am damals neu gestalteten Areal wird von Menschen mit Kinderwägen, Rollatoren und Rollstühlen seitdem begeistert angenommen. Auch die neue Heizungsanlage in Wahlheim, durch die die Gottesdienstbesucher im Winter nicht mehr frieren, trägt zum Wohlfühlen bei. Für eine Kirche, die offen sein will, haben wir schon viel erreicht. Ich wünsche mir, dass wir auf diesem Weg weiter machen, Menschen in unseren Kirchen willkommen heißen und ihnen einen Ort geben, an dem sie gerne bleiben.

Wenn Sie als Leserin oder Leser weitere Anregungen haben, wie Kirche offen sein kann, dann schreiben Sie sie an die Redaktion des Gemeindebriefs ans Evang. Pfarramt, Kirchgasse 39, 55234 Kettenheim oder geben Sie sie einem Kirchenvorstehenden oder der Pfarrerin in die Hand. Lassen Sie uns als Kirche gemeinsam einladend offen sein!

Eine segensreiche Zeit zum Ernten und Feiern wünscht Ihnen

 

Ihre Gemeindepfarrerin

 

Die Umfrage der Kirchenvorsteherin Caroline Prisot-Nuß aus Wahlheim mit allen Antworten im Detail ist hier abgedruckt:

Kirchenvorsteherin: Seit 15 Monaten begrüße ich vor dem Gottesdienst jeden, der in die Kirche hereinkommt, und gebe ihm/ihr ein Gesangbuch, wenn er/sie kein eigenes hat.

- Wie empfinden Sie das für sich?

- Wie finden Sie das im Allgemeinen?

 

Wörtliche Antworten:

  • Es ist in Ordnung. Wenn Fremde in die Kirche kommen, ist es persönlicher.
  • Es ist ganz gut. Es ist schöner, das Buch so zu bekommen, als wenn man es sich holen muss.
  • Es ist ganz schön, ganz nett. Es ist schöner als vorher, als die Bücher in der Reihe waren.
  • Ich finde es persönlich. Es ist schön, dass die Kirche einem entgegenkommt. Man ist immer froh, wenn man ein Wort mit jemandem wechselt. Ich empfinde es als angenehm.
  • Es ist eine gute Sache.
  • Es ist schön mit dem Begrüßen. Es ist eine freundliche Geste. Für die Leute die nicht so oft kommen, ist es ein Zeichen: „ Du bist auch willkommen.“
  • Ich finde es für mich gut. Es ist eine persönliche Ansprache. Man fühlt sich nicht so verloren, wenn man reinkommt. Wenn man eine Frage hat, hat man einen Gesprächspartner.
  • Das finde ich ganz gut. Ich bin immer froh, wenn ich  begrüßt werde.
  • Es ist in Ordnung; Es ist eine schöne Begrüßung.
  • Es ist sehr angenehm. Es ist besser so, als wenn das Buch irgendwo liegen würde. Es ist einfach persönlicher. Es ist eine Kleinigkeit, aber es ist eine gute Sache. In Alzey wird es auch so gemacht.
  • Es ist gut. Die Leute, die in die Kirche reinkommen, bekommen vom Kirchenvorstand Annäherung.
  • Es ist gut. Da hat man das Buch in der Hand und schaut eher rein und singt mit.
  • Ich finde das sehr positiv, dass man persönlich begrüßt wird und das Buch bekommt. Wenn die Bücher in der Reihe stehen, muss man schauen, wo noch welche sind oder wie man noch eins bekommt. Das „Guten Morgen“ und das Lächeln, mit dem man empfangen wird, erheitert einen. Für Leute, die nicht so oft in die Kirche kommen, ist es unheimlich wichtig: sie fühlen sich gleich willkommen. Das animiert dazu, noch mal zu kommen.