Vorwort Winter 2014

Entlang der Küste und auf den Inseln stehen sie, die Leuchttürme. Abends, wenn es dunkel wird, beginnt ihr Licht zu scheinen. Lichtsignale werden ausgesendet, von jedem Leuchtturm ein anderes. Diese Signale helfen den Kapitänen vorbeifahrender Schiffe, sich zu orientieren. Durch das Licht finden sie einen Weg für ihr Schiff. Leuchttürme zeigen Wege auf, die gut sind.
Auch Jesus hat von sich in Bildern des Lichts geredet. Im Johannesevangelium, Kapitel 8, Vers 12 sagt er: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Jesus ist für die Menschen eine Orientierung. Er ist die Spur, die sie zu Gott führt. Jesus bringt Gott und Mensch in Kontakt miteinander. Wie wichtig er für diese Beziehung ist, zeigt die Geburtsgeschichte Jesu. Der Evangelist Johannes beschreibt diese Geburt so: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen.“ (Johannesevangelium, Kapitel 1, die Verse 1 bis 5).
Schon am Eingang seines Evangeliums weißt Johannes auf den Ausgang der Geschichte hin. Durch Jesus, das Licht der Welt, zeigt Gott den Menschen seinen Weg: Nach Leiden und Tod folgt Ostern. Gottes Liebe scheint in ein leeres Grab. Gottes Weg mit uns ist das Leben. Dieses Leben beginnt nicht nur, wenn Leiden und Tod durchstanden sind. Leben ist schon heute und hier. Gott hat uns das Dasein geschenkt. Jetzt gilt es, dieses Dasein zu gestalten. Jesus hat einen Hinweis, wie wir Leben gestalten können. In Bildern des Lichts redet er von uns: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matthäusevangelium, Kapitel 5, die Verse 14 bis 16). Nun mag der eine oder die andere fragen: „Leuchten? Orientierung geben? – Ist mein Licht nicht viel zu schwach und klein dafür?“
Liebe Leserinnen, liebe Leser, solche Fragen haben Menschen zu allen Zeiten gestellt, schon zur Zeit der Bibel. Im Alten Testament zum Beispiel zweifelt ein Mann namens Jeremia, als er von Gott berufen wird. Jeremia soll Prophet werden: „Ach, Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.“ (Jeremia, Kapitel 1, Vers 6). Der Berufene zweifelt an sich. Er zweifelt an Gott selber. Hat Gott sich etwa geirrt bei seiner Wahl? Gott könnte nun wegen der ablehnenden Haltung des jungen Mannes beleidigt sein oder ärgerlich. Vielleicht ist er es auch, aber er zeigt es nicht. Gott handelt anders als erwartet. Er reagiert liebevoll fürsorglich. Er redet zu Jeremia wie eine Mutter zu ihrem Kind: „Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten.“ (Vers 8).
„Fürchte dich nicht“, so redet Gott an vielen Stellen der Bibel. Zu Josua spricht er so durch Mose: „Sei getrost und unverzagt; denn du wirst dies Volk in das Land bringen, das der Herr ihren Vätern geschworen hat, ihnen zu geben, und du wirst es unter sie austeilen. Der Herr aber, der selber vor euch hergeht, der wird mit dir sein und wird die Hand nicht abtun und dich nicht verlassen. Fürchte dich nicht und erschrick nicht!“ (5. Buch Mose, Kapitel 31, die Verse 7 und 8).
Ein Beispiel aus dem Neuen Testament ist Josef. Als er von der Schwangerschaft Mariens erfährt, deren Kind nicht von ihm ist, spricht Gott zu ihm durch einen Engel im Traum: „Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. (Matthäusevangelium, Kapitel 1, die Verse 20 und 21).
Immer wieder spricht Gott Menschen Mut zu, damit sie sich mehr zutrauen und ihr Vertrauen in Gott üben. In allen Geschichten der Bibel, in denen Gott Menschen Mut macht, in denen er zu ihnen spricht: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir!“ geht die Handlung gut aus. Die Angesprochenen erfüllen ihren Auftrag, den Anspruch, den Gott an sie stellt. Sie zeigen, dass Gott da ist, dass seine Gegenwart wie ein Licht durch sie leuchtet: Jeremia wird Prophet. Er verkündigt im Lande Juda was Gott ihm verheißen hat. Josua wird Israel ins gelobte Land führen. Josef nimmt Maria als Ehefrau zu sich. Er gründet mit ihr eine Familie. Das Kind, das nicht von ihm ist, nimmt er als seines an.
Auch bei uns haben Menschen Gottes Zuspruch erfahren, zum Beispiel die, die in schweren Situationen Halt gefunden haben im Glauben und im Gebet, Menschen, die sich begleitet gefühlt haben durch andere, die ihnen Trost und Beistand gaben, Menschen, die einen Fehler gemacht haben und denen vergeben worden ist.
„Ich bin mit dir“ – das ist ein großes Versprechen, das Gott wahr gemacht hat – auch in unserem Leben – und das er wahr machen wird. „Lasst euer Licht leuchten“ – das ist ein großer Auftrag, den wir von Gott bekommen haben. Ihn gilt es anzunehmen. Denn Gott ist nahe und sein Dasein hilft, damit wir seinen Auftrag ausführen. Leuchtturm sein, Wegweiser Gottes – wer Gott erfahren hat in seinem Leben, der ist qualifiziert, der hat das Zeug dazu, an seinem Platz, mit seinen Fähigkeiten, auf seine eigene und unnachahmliche Weise das weiter zu geben, was er empfangen hat, der kann sein Licht leuchten lassen.
Licht leuchten lassen – das können wir, zum Beispiel indem wir einen kranken, alten oder einsamen Menschen besuchen, damit er die Feiertage nicht alleine verbringt. Licht leuchten lassen – das können wir, wo wir uns einbringen in eine Gemeinde, in der wir Ideen äußern, die weiterführen, oder indem wir helfen, dass Gutes gesehen und bewahrt wird. Licht leuchten lassen – das können wir, indem wir von Jesus Christus erzählen, unseren christlichen Glauben leben, anderen Orientierung geben mit unserem Dasein. „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Matthäusevangelium, Kapitel 5, Vers 16).
Eine helle, vom Licht durchflutete Zeit
wünscht Ihnen Ihre Gemeindepfarrerin